Vereinsgeschichte

Zwei kleine, schwarze Schulhefte haben die hundertjährige Geschichte des Gesangvereins Gellershausen überstanden. Das eine ist das erste „Cassen - Buch“, in dem die Mitgliederbeiträge der ersten Jahre akribisch genau aufgezeichnet sind und das zweite ist das „Protokoll Buch“, das die erste Satzung des Vereins enthält, der im Januar 1893 als Männergesangverein gegründet wurde.

24 Paragraphen regeln das Vereinsleben der Gründungsjahre, vom Zwecke des Vereins bis zur möglichen Auflösung. Die Namen des ersten Vorstandes besiegelten den Schluß der Satzung.

36 Männer aus Gellershausen bestätigten am 11. Januar 1893 mit ihrer Unterschrift die Satzung und erklärten damit ihren Eintritt als aktive Sänger. Dieses Verzeichnis weist bis in das Jahr 1919 78 Namen auf. Es werden wohl im Schnitt immer etwa 35 Sänger aktiv gewesen sein, denn 31 diese Mitglieder werden in der Spalte „Austritte“ erfaßt, wobei als Grund neben „Austritt“ und „Tod“ auch der Vermerk „Gefallen“ auftritt. Neben passiven gab es auch Ehrenmitglieder, zu denen natürlich Pfarrer, Lehrer und Bürgermeister zählten.

In der Mitgliederliste taucht als einer der letzten Namen Karl Lückel auf, der 1919 mit zwanzig Jahren aufgenommen wurde und 60 Jahre als aktiver Sänger sowohl im damaligen Männergesangverein als auch im heute noch bestehenden gemischten Chor wirkte.

Erster Dirigent und in Personalunion auch erster Vorsitzender war Lehrer Heinrich Hopff. Er übergab das Amt an seinen Sohn Friedrich, der es bis zu seiner Pensionierung 1932 versah. Dessen Nachfolger im Lehramt, Gerhard Bartsch, war bis zum zweiten Weltkrieg Chorleiter. Seine Einberufung im Jahre 1939 führte zur Unterbrechung des Vereinslebens.

Bis dahin hatten die Sänger einreges Vereinsleben geführt, dabei an vielen Festgottesdiensten mitgewirkt, wie es der § 1 der Satzung vorsah, an vielen Sängefesten teilgenommen und selbst auch welche veranstaltet. Sie btrachteten sich als örtlichen Kulturträger und fühlten sich „dem deutschen Lied verpflichtet“.

Erst am 8. März 1951 wurde der Verein wieder aktiv. Lehrer Tente aus Kleinern war der erste Dirigent nach dem Zusammenbruch und Karl Lückel übernahm das Amt des 1. Vorsitzenden, das er bis zum 26. Januar 1974, also 23 Jahre lang, bekleidete. In dieser Zeit hat er die Geschichte des Vereins wesentlich geprägt.

Eine gravierende Änderung erfolgte 1952: 22 Frauen traten dem bis dahin nur aus männlichen Mitgliedern bestehenden Sängerkreis bei, und es entstand der bis heute in dieser Form aktive Gemischte Chor. Am 5. Februar 1955 wurde der örtliche Lehrer Walter Platt Nachfolger von Chorleiter Tente, der Kleinern verließ. Platt leitete den Chor bis zu seiner Versetzung im Jahr 1965. Ihm folgte Lehrer i. R. Bernhard aus Bad Wildungen für drei Jahre. Nach dem Sängerfest 1968 konnte der gebürtige Gellershäuser und langjährige Leiter des Posaunenchores, Heinrich Tönges, als Dirigent gewonnen werden. Er war bis zu seiner Erkrankung im Jahre 1986 musikalischer Leiter. Egon Deterding, aktiver Sänger des Vereins, sprang vertretungsweise ein, bis eine junge Dirigentin, Katja Vohland aus Bad Wildungen, verpflichtet werden konnte. Ihre Nachfolge trat Elisabeth Piskorz an, die den Chor kurz vor dem Jubiläumsfest 1993 verließ. Friedrich Mitze aus Bad Wildungen übernahm den Taktstock, den er auch heute noch schwingt. Während einer längeren, krankheitsbedingten Pause übernahm Eitel Golz aus Kleinern die Vertretung.

Auch die ersten Vorsitzenden mußten nach dem Rücktritt von Karl Lückel öfter neu gewählt werden. Seit 1974 standen zunächst Marianne Wenig und Horst Napiwotzki dem Verein vor. Danach leitete Erna Münch die Geschicke, gefolgt von Marianne Smulka, Elisabeth Bergmann, Karl-Heinz Hoffmann und der jetzigen Vorsitzenden Brigitte Sonnenschein.

1993 feierte der Verein sein 100jähriges Bestehen mit einem großen Sängerfest. Beim Hessentag in Lich wurde aus diesem Anlaß die Zelterplakette verliehen. Nachdem die Vereinsfahne in den Kriegswirren verschwunden war, wurde 1959 beim Sängerfest eine neue Fahne geweiht. Sie trägt den Spruch: „Sind wir von der Arbeit müde, ist noch Kraft zu einem Liede!“

In den langen Jahren des Vereinsbestehens kam neben dem Singen an Übungsabenden und bei Veranstaltungen auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Dazu gehören das Backfest, die Sängerfahrten, und die Beteiligung am gemeinschaftlichen Leben im Dorf. So hielt der Chor die Tradition des Brotbackens im Dorfbackhaus aufrecht, wenn beim Back- und beim alljährlichen Dorffest nach altem Rezept gebackenes Bauernbrot angeboten wurde.